Einleitung

Dieser Diskussionsbeitrag zum Thema Berufsbildung wird in einer ersten Version veröffentlicht. Allerdings soll er von Zeit zu Zeit und bei Gelegenheit weiter ausgebaut werden. Dabei können Sie mit Ihren Fragen, Antworten, Rückmeldungen und Impulsen einen eigenen Beitrag zur Entwicklung leisten. Herzlichen Dank für Ihre Mitarbeit!

Berufsbildung

Die Bedeutung der Berufsbildung ist weiter im Steigen. Neben der Berufsschule sind die betriebliche Bildungsarbeit und die berufliche Weiterbildung bedeutende pädagogische Arbeitsfelder. Herbert Gudjons unterteilt die berufliche Bildung in:

  • Berufliche Erstausbildung
  • Weiterbildung
  • Personalentwicklung
  • Organisationsentwicklung
  • Managementtraining

In unserer Unternehmensberatung sind da insbesondere die Themen Weiterbildung, Personalentwicklung, Organisationsentwicklung und Managementtraining von Bedeutung.

Die international vergleichende Berufsbildungsforschung unterscheidet nach Wolf-Dietrich Greinert (2005) drei Idealtypen beruflicher Bildung

  • das liberale Marktmodell in England
  • das bürokratisch-rationale Schulmodell in Frankreich
  • das traditional-korporatistische Dualmodell in Deutschland

Katrin Kraus (2009) untersuchte unterschiedliche Systematiken der vergleichenden Berufsbildung und kommt auf drei idealtypische Modelle. Sie geht dabei der Frage nach, wo die Berufsbildung verankert ist:

  • im Beschäftigungssystem (England)
  • im Bildungssystem (Frankreich)
  • mit betrieblicher Lehre und staatlicher Berufsschule in beiden Bereichen (Deutschland)

Das duale System

Das duale System ist eine Besonderheit des deutschsprachigen Raums und findet noch immer weltweit Beachtung. Das Zusammenwirken von privaten Unternehmen und staatlichen Berufsschulen, also der Wirtschaft und dem Staat, ist etwas Besonderes, aber mit Sicherheit ebenso eine echte Herausforderung. Hier treffen wirtschaftliche Interessen und die Zukunftsorientierung von Unternehmen auf pädagogisch-didaktische Ansprüche und bildungspolitische Intentionen.  Hier entsteht auch eine wesentliche Kritik an der jüngeren Entwicklung unseres Bildungssystems, weil die Unternehmen als erste spürten, dass mit der Qualität der schulischen Ausbildung ihrer Lehrlinge etwas nicht mehr stimmt. Dazu gibt es ein quantitatives Problem, weil immer weniger jungen Menschen eines Jahrgangs sich für eine Lehre entscheiden und dieser eine schulische Ausbildung vorziehen bzw. einen Universitätsabschluss anstreben. Die Welt hat am 17.06 2016 den Artikel „41 Prozent der Jugendlichen machen inzwischen Abitur“ veröffentlicht.

Aus diesem Grund ist etwa „Lehre mit Matura“ nicht nur positiv für die Entwicklungsmöglichkeit des Einzelnen zu sehen, sondern zu bedenken, dass dadurch viele gut ausgebildete Mitarbeiter den Unternehmen als Fachkräfte nicht mehr zur Verfügung stehen. (Stichwort Fachkräftemangel). Hier könnte Österreich etwa von Deutschland lernen und das Thema „Matura mit Lehre“ entsprechend forcieren und fördern.

Letztlich geht es auch in der Berufsbildung um Erfahrungsorientiertes Lernen (EOL) und die Frage des effektiven Lernens. #ELF10

Diskussion

Wie sehen Sie das Thema „Berufsbildung“? Was sind Ihre Erfahrungen mit dem Berufsbildungssystem in Ihrem Land?

Literatur

Greinert, W.-D.: Berufliche Breitenausbildung in Europa, Cedefop panorama series, 114, Luxemburg, Amt für amtliche Veröffentlichungen der Europäischen Gemeinschaften 2005.

Gudjons, H.: Pädagogisches Grundwissen, 7. Aufl., Bad Heilbrunn 2001.

Kraus, K.: Beruf und Berufsbildung. In: Andresen, S. [u.a.] (Hrsg.): Handwörterbuch Erziehungswissenschaft, Weinheim, Basel 2009, S. 60-75.